powered by
RETRA-LSD – Lichtformer mit Suchtpotential?

(Rohversion des Testberichts vom 17.04.2012)

Veröffentlichung im Magazin "unterwasser" März 2012 (erschienen 2012/02)

Veröffentlichung im Magazin "DIVEMASTER" #73 3/2012 (erschienen 2012/07)

Spezielle Lichtformer, neudeutsch auch „Snoots“ genannt, haben in den letzten beiden Jahren in der anspruchsvollen Unterwasserfotografie mit künstlichen Lichtquellen einen festen Platz eingenommen. Einfachste, selbst gebastelte Lösungen dominierten lange die Szene und wurden dann immer mehr von hochwertigeren, kommerziellen Produkten abgelöst.

Das neue „Light Shaping Device“ des slowenischen Unternehmens RETRA UNDERWATER TECHNOLOGY ist mit Ende März 2012 angetreten, um sich an die Spitze der Unterwassersnoots zu setzen.

Ob dem so ist wurde bei diversen Praxistests mit einem kurzfristig verfügbaren Vorserienmodell durch Harald Slauschek geprüft.

 

Snoots gibt es in der Studiofotografie seit Jahrzehnten. Dort werden sie verwendet um spezielle Lichtakzente zu setzen. Warum sie erst mit so großer Verspätung in der Unterwasserfotografie an Bedeutung gewonnen haben ist nicht erklärbar, vielleicht wurde aus Bequemlichkeit und Tradition viel zu lange auf „altbewährte“ Beleuchtungsformen gesetzt.

Es war gut und wichtig, dass sich diese Sichtweise sehr deutlich verändert hat. Dadurch wurden bereits Bildergebnisse erzielt die zuvor unter Wasser nicht üblich waren und weiteren Innovationen wurden die Türen geöffnet. Das Verlassen bestehender, ausgetretener Wege, auch bei ganz anderen Aspekten der Unterwasserfotografie, wurde seitdem durch einige Fotografen verstärkt forciert. Mit zum Teil spektakulären Ergebnissen.

Erstmals aufmerksam auf das RETRA Light Shaping Device, kurz RETRA-LSD, wurde die Unterwasserfotoszene bei der CMAS Unterwasserfoto-WM 2011 die Ende Mai in Bodrum (Türkei) stattfand.
Der slowenische Unterwasserfotograf Rok Kovačič konnte sich mit dem Einsatz des RETRA-LSD in vier von fünf Kategorien unter den Top 10 platzieren.
Und in der Kategorie „Makro“ wurde er sogar Weltmeister! Das vom Hauptmotiv her nicht gerade einzigartige oder spektakuläre Siegerfoto konnte sich durch eine spezielle Lichtformung, die aktuell nur mit dem RETRA-LSD möglich ist, entscheidend von allen anderen eingereichten Wettbewerbsfotos abheben und gegen den starken Mitbewerb durchsetzen.

Besonderheiten beim RETRA-LSD

Das RETRA Light Shaping Device, kurz RETRA-LSD, unterscheidet sich in einigen Aspekten von den am Markt verfügbaren Produkten. Neben dem formschönen und edlen Design sowie der hohen Verarbeitungsqualität, sind insbesondere das optische Linsensystem und die Wechselschablonen (vom Hersteller „Apertures“ genannt) die Highlights.

Das klingt sehr salopp, hat es jedoch in sich!

Das optische Linsensystem besteht aus zwei Linsenelementen die antireflexvergütet sind und das vom Blitzgerät ausgesandete Licht, abgesehen von der Verringerung des Durchmessers im Snoot, bündeln. Mit möglichst wenig Lichtverlust, denn Lichtstärke ist gerade in der Makro- und Supermakrofotografie sehr wichtig.

Das funktioniert in der Praxis ausgezeichnet. Und der Clou ist, dass der Arbeitsabstand zum Hauptmotiv im Vergleich zu anderen Snoots relativ groß sein kann. Das ist bei sehr scheuen Lebewesen ein immenser Vorteil.

Je nach gewünschter Schärfe oder Unschärfe der ausgeleuchteten Fläche beträgt der Arbeitsabstand des RETRA-LSD etwa 14cm oder mehr. Gemessen von der Vorderkante des RETRA-LSD.

Acht Schablonen die ganz einfach und schnell in einen Schlitz geschoben werden können und somit zusätzlich das Licht „formen“, werden mit dem RETRA-LSD geliefert. Mit unterschiedlich großen und unterschiedlich geformten Öffnungen. Das deckt bereits viele Anwendungsbereiche ab. Sonderformen und Sondergrößen der Öffnungen sind auf Wunsch optional erhältlich. Extravagante Varianten wie das Firmenlogo oder das Playboyhäschen inklusive...egal ob schön oder sinnvoll.

Durch das optische Linsensystem wird beim geringsten sinnvollen Arbeitsabstand von etwa 14cm, bei dem zugleich auch eine scharf abgegrenzte Lichtfläche entsteht, eine 1,4-fache Vergrößerung erreicht. Das heißt beispielsweise, dass bei Verwendung der Schablone mit einer kreisrunden Öffnung von 4mm Durchmesser, eine runde Fläche mit 5,6mm Durchmesser ausgeleuchtet wird. Bei einem Arbeitsabstand von etwa 14cm vom Hauptmotiv bis zur Vorderkante des RETRA-LSD.

Die Lichtfläche nimmt zu, je größer dieser Abstand wird. Und die Abgrenzung der Lichtfläche wird zusätzlich unschärfer bzw. weicher. Je nach Geschmack und Motiv sind viele Optionen möglich.

Einsetzbare Blitzgeräte

Die Adaptierung des RETRA-LSD auf die Blitzgeräte verschiedenster Hersteller ist im Regelfall ohne größere Probleme möglich. Falls noch nicht adaptiert wurde, so erfolgt das sehr schnell durch den Hersteller des RETRA-LSD.

Mit einem einfach zu bedienenden Schnellverschluss wird das RETRA-LSD auf dem Blitzgerät befestigt und hält sehr stabil sowie exakt. Diese Exaktheit ist auch notwendig, damit das idealerweise zentrale Pilotlicht des Blitzes, optimal eingesetzt werden kann.

Das Pilotlicht ist neben der manuellen Einstellung von Leistungsstufen, eine der beiden Grundanforderungen an das Blitzgerät. Ohne einem Pilotlicht ist eine korrekte Ausrichtung des RETRA-LSD, gerade bei der Nahfotografie, nur eine Geschichte für Menschen ohne Nerven. Für alle anderen wird es garantiert zur Verzweiflung führen.

RETRA-LSD in der Praxis

Das Handling des RETRA-LSD inkl. der Schablonen ist unter Wasser sehr einfach. Wenn der Blitz auf einem qualitativ guten Gelenksarm montiert ist.

Der Einsatzbereich des RETRA-LSD deckt fast alle Genres der Unterwasserfotografie ab. Egal ob Fisheye-, Weitwinkel-, Fisheyemakro-, Makro- oder Supermakrofotografie, fast überall findet sich eine Möglichkeit um mit der Lichtbündelung und Lichtführung sehr interessante Ergebnisse zu erzielen. Klarerweise liegt der Bildeindruck, egal ob positiv oder negativ, immer beim Betrachter. Aber wer will schon „Everybody’s Darling“ sein?

Die grundlegend Arbeitsweise mit dem RETRA-LSD ist meist sehr ähnlich:

Ungefähre Ausrichtung des RETRA-LSD vorab, Bildgestaltung, Feinjustierung des RETRA-LSD mit Unterstützung des Pilotlichtes sowie Blick durch den Sucher bzw. auf den LiveView, fotografieren, danach Sichtung des Fotos am Kameradisplay. Und das immer wieder mit eventuellen Korrekturen bei der Ausrichtung, bei der Blitzleistungsstufe und bei den Belichtungseinstellungen an der Kamera...bis alles subjektiv passt.

Variantenbildung durch den Einsatz der einen oder anderen Schablone macht Sinn. Die endgültige Bildwirkung ist, egal wie gut eine Bildidee auch sein mag, ja oft erst beim Betrachten des Fotos zu beurteilen.

Dadurch, dass jede Schablone mit einem Magneten ausgestattet ist und sich auf der Seite des RETRA-LSD ebenfalls zwei Magneten befinden, können nicht benützte Schablonen dort einzeln oder kombiniert „geparkt“ werden. Das erleichtert die Arbeit unter Wasser ungemein.

Bei Verwendung des RETRA-LSD, ist der Blitz im manuellen Modus zu betreiben, eine TTL-Belichtung würde einem Lotteriespiel gleichkommen. Prinzipiell hat sich beim Einsatz in der Praxis auch der Betrieb der Kamera im „M“-Modus als bester Weg zum Ziel herauskristallisiert.

Zielgruppe

Die fotografierende Zielgruppe für das RETRA-LSD ist breit gefächert. Eigentlich ist fast jeder anspruchsvolle und experimentierfreudige Unterwasserkamerabesitzer ein potentieller RETRA-LSD-Nutzer.

Egal ob Kompaktkamera, Systemkamera oder Spiegelreflexkamera, alle Kameratypen können mit dem RETRA-LSD betrieben werden.

Und sogar bei der Verwendung von Dauerlicht durch Fotografen oder Filmer ist das RETRA-LSD eine kreative Option.

Fazit 

Das Fotografieren mit einem Snoot war noch nie zuvor so einfach, flexibel, kreativ und vielseitig wie mit dem RETRA Light Shaping Device. Die hohe Verarbeitungsqualität, das leistungsfähige optische Linsensystem und die genialen Schablonen eröffnen Bildmöglichkeiten an die man bis dato wahrscheinlich noch gar nicht gedacht hat oder von denen man bis jetzt nur träumen konnte.

 

Fotogalerien (RETRA-LSD Produktfotos, Unterwassertestfotos, Making-of-Fotos):

 

Eckdaten / Technische Daten

  • Hersteller & Vertrieb:
    • RETRA Underwater Technology (RETRA UWT) - Malnarjewa ulica 51 - SI-1000 Ljubljana (Laibach) - Slowenien 
    • Website: www.retra-uwt.com 
    • Preis: EUR 599,--
  • Materialien:
    • Gestrahltes, harteloxiertes und somit seewasserfestes Aluminium mit optischem Linsensystem (Antireflexvergütung!); Schablonen aus Kunststoff mit Haltemagneten
  • Maximale Einsatztiefe:
    • 80m
  • Gewicht:
    • 630g ohne Schablonen (einzelne Schablone: ca. 16g)
  • Abmessung:
    • ca. 11,5cm (Durchmesser)/ca. 19cm (Länge)
    • abhängig vom Blitzgerät auf das das RETRA-LSD adaptiert wurde
  • Magnetkraft:
    • Magnet in jeder Schablone und am RETRA-LSD hält 2,2kg
  • Verschluss:
    • Schnellverschluss
  • Adaptiert für Blitze (derzeit):
    • Ikelite DS160
    • INON Z-240
    • Sea & Sea YS-250Pro
    • Seacam Seaflash 150 & 250Digital
    • Subtronic pro270 (Nova)

    • Zukunft: Adaptierung auf weitere Blitze in Arbeit und kurzfristig verfügbar

  • Lieferumfang:
    • RETRA-LSD
    • 8 Schablonen
    • UW-Transportbeutel

  • Optionales Zubehör:
    • Individuelle Schablonen bestellbar, fast alle Formen möglich

 

Kontaktdaten Hersteller / Vertrieb

  • RETRA UNDERWATER TECHNOLOGY (RETRA UWT)

 

Fotogalerien (RETRA-LSD Produktfotos, Unterwassertestfotos, Making-of-Fotos):